KSV-Taktik 2018/19

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DSummer
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Re: KSV-Taktik 2018/19

#76

Beitragvon DSummer » Do 8. Nov 2018, 18:11

12. Spieltag, 03.11.18, 13:00, Holstein Kiel - FC Ingostadt 2:2
[S - U - N] 4 - 5 - 3; [T - GT] 18:17; [Pkt] 17

Kiel kommt in einem Kraftakt noch zu einem Punkt gegen Ingolstadt. 23 Punkte sind noch zu holen.

Ungewöhnliche Aufstellungen

Tim Walter rotiert am Ende der Englischen Woche auf drei Positionen: Thesker, Meffert und Serra weichen für van den Bergh, Karazor und Lee.
Das bisher sehr flexibel auftretende Kiel zeigt wieder eine neue Grundordnung, die am ehesten einem 4-1-5 entspricht.
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Ingolstadt startete unter Trainer Nouri ohne Wechsel im Vergleich zum letzten Spiel. Taktisch wählte der Trainer ein interessantes 3-1-4-2.

Die Lücke hinter Dehm


Offensiv kamen die Gäste mit einer Idee an die Förde, die bereits einige andere Teams hatten: Den Raum hinter den aufrückenden Kieler Außenverteidigern bespielen. Dies setzten die Gäste bei eigenem Spielaufbau mit langen Bällen auf den zurückweichenden Kutschke um, der den Ball an die letzte Kieler Kette verlängern sollte. Vier Ingolstädter sicherten den Raum um Kutschke ab, zwei im Rückraum defensiv, zwei eher offensiv ausgerichtet. Kiel hingegen band zwei oder teilweise sogar drei Spieler im Luftduell gegen Kutschke, dessen Bewegungen Dehm oft aus seiner Defensivordnung herauszogen.

Kutschke gewann zwar nicht alle Luftduelle, Ingolstadt gewann aber viele zweite Bälle aufgrund der ballnahen Raumaufteilung. Mit schnellen Kombinationen auf die hinterlaufenden Mittelfelspieler kam Ingolstadt schnell und effektiv an den 16er. Kiel verteidigte hier zu weit weg vom Gegenspieler und hatte Probleme die Tiefenläufe Ingolstadts mitzugehen. Karazor hielt das Zentrum Kiels sehr gut unter Kontrolle. Er war als Ersatz für Meffert sehr präsent in der Luft wie am Boden, konnte viele Duelle für sich entscheiden und bot kaum Lücken an, die es Ingolstadt erlaubt hätten über das Zentrum zu spielen. Ingolstadts Spiel wurde so stark auf die Flügel getrieben.

Ähnlich sah es bei einem flachen Spielaufbau Ingolstadts aus. Das 5er-Mittelfeld positionierte sich sehr breit und versuchte eine Seite zu überladen, wobei die äußeren Mittelfeldspieler diagonal in Richtung 16er eingelaufen sind. Diese Bewegungen wurden von den Außenverteidigern oder ballnahen Innenverteidigern verfolgt, sodass wiederum Lücken für Tiefenläufe und -pässe entstanden. Kiel verteidigte im 1gegen1 zu passiv, etwas was bereits in den letzten Spielen zu sehen war. Die Gäste kamen zu leicht an den Außenverteidigern vorbei.

Ingolstadt konnte sich so auch einige Male am Kieler Strafraum festspielen, teilweise über Standards. Die Restverteidigung bestand in diesen Situationen oft nur noch auf dem 6er und der 3er-Kette. Nachdem sich Kiel aus der Umklammerung befreien konnte, schaffte sie es nicht den großen, offenen Raum zu nutzen. Wie in den letzten Spielen häufiger zu sehen, waren die Zuspiele oder Annahmen zu ungenau. Auch waren die Laufwege und das Timing nicht ideal abgestimmt. Hier machte sich wahrscheinlich das Ende der Englischen Woche bemerkbar.

Kiel mit Problemen durch das frühes Pressing der Gäste

Ingolstadts Defensivplan zeichnete sich durch ein hohes und intensives (Angriffs-)Pressing aus, bei welchem v.a. die Kieler Außenverteidiger direkt angelaufen wurden. Kiel zeigte bei diesen Pressinganläufen wie auch in den letzten Spielen Probleme. Oft ist die Reaktionszeit für ein sicheres Weiterspielen zu kurz, dazu kommen technische Fehler in der Ballannahme oder -verbrrbeitung. In der Folge löste Kiel die hohen Pressingsituationen mit weit herusgeschlagenen Bällen. Vereinzelt gelang es Ingolstadt den Ball zu gewinnen und zu gefährlichen Torabschlüssen zu kommen. Ingolstadts Pressing verdichete zu einem Kieler Flügel hin, sodass sich oft auf der ballfernen Seite Raum für Kiel auftat an. Ein Seitenwechsel war aufgrund der unmittelbaren Zweikampfführung oft schwierig, teilweise entschieden sich die Kieler Spieler auch gegen die Option die Seite zu wechsel und spielten weiter über den Flügel. Ingolstadt zwang Kiel so unter Bedrängnis zu Fehlern, die auch in der ersten Hälfte nah am ersten Torerfolg waren. Im Abschluss fehlte etwas die Ruhe oder Übersicht.

Die Gäste verdichteten im 5er-Mittelfeld das mittlere Drittel, waren stets direkt im Zweikampf, das Pressing griff hier gut und verbreitete im Kieler Spiel Unruhe. Ein ruhiger Spielaufbau über das mittlere Drittel hinweg war nur schwierig möglich. Die Ingolstädter Idee für Unruhe zu sorgen, funktioneirte sehr gut. Konnte sich Kiel aus der Umklammerung befreien, z.B nach geglückten Seitenverlagerungen, und ins mittlere Spieldrittel vorrücken, schob ballseitig der äußere Mittelfeldspieler Ingolstadts zurück in die Abwehrkette. So formierte sich in letzter Linie eine 4er-Kette.

Bei Kiel fehlte es bis zu Serras Einwechslung an einem Stürmer. Vielmehr spielte Kiel bis dahin mit fünf Mittelfeldspielern, die in einer V-Formation das Ingolstädter Zentrum umlagerten. Ingolstadt hielt Kiel mit dem eigenen 5er-Mittelfeld aus dem Zentrum fern und bot keine Anspielstationen ins Zentrum an. Die große Anzahl der Spieler im mittleren Drittel führte zu vielen Zweikämpfen und Fehlpässen und damit Ballwechseln. In Bedrängnis schlug Ingolstadt den Ball in die Kieler Hälfte, wo die Gäste direkt wieder in den Kampf um den Ball gingen. Es war in der Folge ein Spiel, bei dem weniger die Spielstruktur, sondern vielmehr der Umschaltmoment entscheidend war.

Verdiente Führung

Nach der Führung zog sich Ingolstadt etwas mehr zurück, Kiel hatte mehr Zeit für den Spielaufbau. Zudem wirkte Kiel nach dem Rückstand wacher, als noch in den ersten 2/3 des Spiels. Die Einwechslung Serras brachte eine zentralere Anspielstation ins Spiel und v.a. einen Spieler, der sehr zweikampfbetont agiert und Gegenspieler bindet. Die tiefere Positionierung Ingolstadts erleichterte Kiel den geordneten Spielaufbau. Bei Flanken oder Standards hatte Ingolstadt nun Probleme Zugriff zu erhalten, da Kiel die Präsenz im und um den Strafraum erhöhte und mit vielen Bewegungen für Zuordnugnsprobleme sorgte.

Aus spielerischer Sicht hätte Ingolstadt eher drei Punkte verdient gehabt (non-shot xG 1,7 zu 1,2 für Kiel), allerdings konnten sie aus ihrer guten Spielidee zu wenig hochwertige Torchancen herausspielen (xG 1,1 zu 1,8 für Kiel). Kiel gelang es im starken Schlussspurt zu guten Abschlussmöglichkeiten und letztlich zu zwei Toren zu kommen.


Fazit

Kiel war nicht so präsent wie zuletzt, eventuell eine Folge der Englischen Woche. Ingolstadt konnte mit einem guten Matchplan verdient in Führung gehen, diese aber aufgrund des Kieler Schlussspurts nicht über die Zeit bringen, sodass man von einer gerechten Punkteteilung sprechen kann.

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Hawkeye
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Re: KSV-Taktik 2018/19

#77

Beitragvon Hawkeye » Do 8. Nov 2018, 21:32

Danke für deinen Beitrag. Da habe ich schon drauf gewartet. Was meinst du, wird Ingolstadt sich aus dem Keller herausarbeiten oder wird es eher schwer, weil andere Teams den Fokus auf die Defensive und ein schnelles Umschaltspiel legen? Könnte mir vorstellen, dass es für Ingolstadt schwer wird selber das Spiel zu machen.

Was mich überrascht, sind die variablen Taktiken von TW. Das sah bei MA doch eher "eintönig" aus. Ich hoffe, TW "vercoacht" sich nicht zu oft. Die Spieler müssen seine Ideen ja auch umsetzen.

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#78

Beitragvon DSummer » Fr 9. Nov 2018, 18:18

Hawkeye hat geschrieben:[...] wird Ingolstadt sich aus dem Keller herausarbeiten [...]


Die Qualität der Mannschaft spricht klar dafür. Zudem haben sie in einigen der bisherigen Spiele, auch vor dem Trainerwechsel schon, einfach zu wenig aus ihren durchaus guten Chancen und der Spielüberlegenheit gemacht - ähnlich wie hier in Kiel letztes Wochenende. Mein Tipp ist, dass sich Ingolstadt in ein sicheres gehobenes Mittelfeldfahrwasser vorarbeitet. In einer Saison wie der letzten wäre mit einem super Lauf - da werden Erinnerungen an Kiel im Sommer bis Herbst 2017 wach - sogar noch mehr drin, aber in diesem Jahr mit Köln und dem HSV halte ich das für unwahrscheinlich.

Hawkeye hat geschrieben:[...] Was mich überrascht, sind die variablen Taktiken von TW. [...]


Wie du schreibst: Unter Markus Anfang gab es ein System - 4-1-4-1 - das in 36 Bundesligaspielen ein oder zweimal geändert wurde. In den anderen Spielen blieb die Grundordnung bestehen und es wurden nur Positionsverhalten angepasst.

Bei Tim Walter sind wir nach 12 Spielen vom 4-2-3-1 über 4-4-2 mit Raute zu 4-3-3 gekommen. Die Veränderungen haben zunächst die Defensive stabilisiert und dann die Offensive angekurbelt.

Defensiv fehlte anfangs die Absicherung des risikoreichen Aufbauspiels, die komplette Verteidigungskette rochierte sich selbst schwindelig, die Unterstützung des 6er fehlte, Kronholm war zu aktiv am Aufbau beteiligt. Die Idee war ambioniert, ist aber am Ende nicht umsetzbar, da die vier Feldspieler die Arbeit von mindestens fünf Feldspielern verrichten sollten. Der 6er sollte nicht am Aufbau mithelfen, sondern direkt für die Offensive da sein. Kiel wurde hoch gepresst oder IV/6er verfolgt bis ein Fehler passierte. Die Gegner stellten sich hinten rein und warteten. Kiel spielte viel quer, war ausrechenbar und erarbeitete zu wenig Torgefahr.

Die Änderung zur Raute hatte 2 wesentliche Änderungen zur Folge:
1. Kronholm blieb meistens im Tor, der 6er war und blieb auch 6er (Meffert), egal, ob mit oder gegen den Ball. Die Defensive hatte dauerhaft einen Puffer, der in den vorherigen Spielen oft fehlte und es dem Gegner erlaubte auf die letzte Kieler Kette zu zulaufen, was schwer zu verteidigen ist.
2. Die äußeren Mittelfelsspieler - Kinsombi, Mühling - waren als Verbindungsspieler im Halbraum besser an den Spielaufbau angebunden und konnten Angriffe auch flach direkt nach vorne weiterleiten. Dies gab dem Spiel mehr Vertikalität, die die gegnersichen Linien so schneller überspielte und den Gegner noch im defensiven Umschaltmoment erwischte, in dem noch nicht alles geordnet ist. Die Lücken konnte Kiel teilweise gut nutzen.

Die letzte Entwicklung zum 4-3-3 ist dann nur noch eine kleine: Die äußeren Mittelfeldspieler - Mühling, Kinsombi - spielen als klassische 8er, rücken mit Ball vor und gegen den Ball neben den 6er. Die Offensivreihe spielt dabei sehr variabel, wechselt häufig die Positionen und ist so schwer auszurechnen. Die vertikalere Spielweise, gepaart mit der Möglichkeit Serra hoch anzuspielen, nutzt die Kieler Stärke des Umschaltens, die Geschwindikeit des Kaders und die guten Fähigkeiten im 1gegen1. Aus meiner Sicht ist die taktische Entwicklung Kiels spannend zu sehen und geht in die richtige Richtung. Kiel ist in keinem Spiel chancenlos. Mal schauen wie es gleich gegen Paderborn so klappt.

Das Finetuning der nächsten Wochen könnte sich mit der Absicherung der Außenverteidiger beschäftigen. Wer sichert wie ab, wenn der AV offensiv mithilft? Eine andere Frage ist: Gibt es eine Alternative zu Serra, der an knapp 60% der Kieler Bundesligatore beteiligt ist? Zudem: Bleibt das Aufbauspiel weiterhin so risikoreich?

Vielleicht hast du oder jemand anderes Vorstellungen wie die Geschichte weitergehen könnte?

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#79

Beitragvon DSummer » Fr 9. Nov 2018, 18:41

Kleine Korrektur: es sind knapp 40%. Tendenz steigend.

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#80

Beitragvon DSummer » Mo 12. Nov 2018, 17:46

13. Spieltag, 09.11.18, 18:30, SC Paderborn - Holstein Kiel 4:4
[S - U - N] 4 - 6 - 3; [T - GT] 22:21; [Pkt] 18

Ein Torfestival findet keinen Sieger. Nach der Punkteteilung benötigt Kiel noch 22 für den Klassenerhalt.

Tim Walter stellt nach dem spät erkämpften Punkt gegen Ingolstadt am vergangenem Spieltag auf drei Positionen um: Thesker, Meffert und Serra starten in Paderborn für Schmidt, Okugawa und Karazor. Mit diesem Team spielt Kiel wieder etwas gestreckter im 4-3-3, gegen Ingolstadt war es eher ein 4-1-5.
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13_Aufstellung_Paderborn.jpg (31.5 KiB) 1564 mal betrachtet

Steffen Baumgart wechselte auf vier Positionen, v.a. interessant sind die Wechsel auf der rechten Innenverteidigerposition und rechten 6er-Raum durch Hünemeier und Klement. Diese beiden Wechsel machten sich im Laufe des Spiels bemerkbar. Taktisch stellten sich die Gäste im flexiblen 4-2-3-1 auf.

Kiel zieht Paderborn nach links


Kiel fokussierte seine Angriffe stark auf die linke Seite. Dabei positionierten sich die Innenverteidigung breit, die Außenverteidiger rückten vor. Serra spielte diesmal als linker Flügelspieler und wich als Kombinationsspieler im Aufbau leicht zurück, wurde dort von Kinsombi und Lee untersützt. Zusammen mit van den Bergh überlud Kiel den linken Flügel, was zu einer interessanten Dynamik des Paderborner Systems führte.

Paderborn verteidigte hier in einem intensivem Pressing stark mannorientiert, versuchte so, jedem Kieler Spieler einen direkten Gegenspieler mitzugeben und das Kieler Aufbauspiel so zu unterbinden. So schoben Gjasula und Zolinski im Mittelfeld auf den Flügel, Klement rückte leicht ein, Dräger verteidigte offensiv, sodass die letzte Kette Paderborns eine Position durchschob, Collins war somit linker Innenverteidiger. Tekpetey half defensiv mit, Gueye und Antwi-Adjej lauerten an der letzten Kieler Linie auf Gegenstöße.

In der Folge offenbarte Paderborn große Räume im Zentrum und im linken Bereich der Abwehrkette.Klement und Hünemeier fehlte hier die Vorausschau, welche Räume Kiel nutzen könnte. Collins übernahm bei Kieler Angriffen über die Dräger Seite eine Innenverteidgerposition, war in einigen Szenen aber zu hoch positioniert und reihte sich zu spät in die Abwehrkette mit ein.

Kiel kombinierte nun über den eigenen linken Flügel mit einigen ansehnlichen Kombinationen durch die Pressinglinie der Gastgeber und suchte im Zentrum einen der Mittelfeldspieler als Verbindung zur ballfernen Seite. Dort lauerte meistens Schindler auf Steilpässe, die Paderborn aufgrund des Verschiebens und fehlender zentraler Absicherungen, ermöglichte. Schindler wurde ideal in Szene gesetzt, konnte seine Geschwindigkeit ausspielen und machte so sein bestes Saisonspiel.

Paderborn hinter die Kieler Außen

Bei den Kieler Angriffen über die eigene linke Seite rückte Dehm oft ins Zentrum ein und schob gleichzeitg leicht vor. Da Paderborn die Kieler Angriffbemühungen praktisch mit gleicher Mannstärke konterte und so vier oder fünf Spieler ins Pressing schickte, gewannen sie einige Bälle.
Anschließend spielten sie über das Zentrum oder direkt auf die ballferne Seite.

Hinter dem vorgerückten Dehm, der in diesem Spiel die Balance zwischen Defensive und Offensive nur selten fand, spielte Paderborn nun mit diagonalen Steilpässen auf den sprintenden Collins oder Antwi-Adjej, alternativ suchten sie den ebenfalls kreuzenden Gueye. Bot sich keine Option an die Seite zu wechsel, spielten sie schnell vertikal über Tekpetey und suchten den Raum hinter van den Berg. Das Mittelfeld des SC zog einigen Male geschickt einzelne Abwehrspieler aus der Kieler Kette heraus, legte den Ball und ab, der dann direkt in die Lücke gespielt wurde.

Intensives Pressing- und Umschaltduell

Paderborn presste das Kieler Aufbauspiel früh und lief die Kieler Abwehrreihe sprintend an, gab so wenig Zeit für ein strukturiertes, flaches Aufbauspiel. Kiel rochierte viel beim eigenen Aufbauspiel, so zog Thesker auf die 6er-Position, van den Bergh rückte nach hinten und Meffert nach außen. Ähnliches war auf der rechten Abwehrseite zu sehen. Paderborns Pressingart führte so aufgrund der technischen Probleme im Abspiel und der Ballannahme Kiels zu Ballverlusten, die umgehend mit Steilpässen in die freien Räume der 4er-Kette bestraft wurden. Teilweise verlor bereits der letzte Kieler den Ball, sodass Paderborn nach Ballgewinn auf Kronholm zulaufen konnte.

Kiel presste Paderborn ebenfalls früh und intensiv, löste diese Situationen aber anders als Kiel dann oft mit langen Bällen auf Gueye. Nicht nur dort boten sich beide Teams aufgrund der Pressingeinstellung einen intensiven Kampf um den zweiten Ball, was zu schnellen Ballbesitzwechseln führte. Gewann Kiel den Ball konnten sie die fehlende Abstimmung Paderborns im Zentrum und das unausgewogene Rausrücken der Gastgeber für raumöffnende Steilpässe nutzen.

Wie in einigen Spielen dieser Saison bereits gesehen, hatte Kiel, neben den Problemen mit dem risikoreichen Aufbauspiel, wieder Probleme mit der Strafraumverteidigung. Kiel verteidigte zu zaghaft, zu weit weg vom Gegenspieler und zu langsam gegen die dynamischen Paderborner Offensivkräfte.
Paderborn verteidigte allerdings im Strafraum nicht wesentlich besser, sodass es zu einer Vielzahl von Torchancen kommen konnte.

Beide Teams waren nach Ballgewinnen stark und gefährlich, kamen mit wenigen Pässen an den gegnerischen Strafraum und boten so ein attraktives Spiel. Paderborn hat die Kieler Schwachstellen gut bespielt, dabei aber die eigene Absicherung im Zentrum vernachlässigt und Kiel so viel platz für Abschlüsse geboten. Kiel lässt sich erneut nach einem Rückstand nicht beirren und spielt seine Spielidee mutig weiter, dreht so einen 3:1 Rückstand zueiner 4:3 Führung. In den letzten Minuten gelang es Kiel nur noch selten geordnet nach vorne zu spielen. Viele herausgeschlagene Bälle kamen wie ein Bumerang schnell wieder zurück und einer davon sollte mit dem 4:4 den Abschluss dieses Spiels setzen.

Kiels ansprechende Spielweise ab dem mittleren Drittel zeigte sich auch im xG-Maß von 2,6. Paderborn kam mit seinem Umschaltspiel auf 2,1. Abseitstreffer werden hierbei nicht berücksichtigt.

Fazit

Kiel hat sich zwar mit seiner reiferen Spielanlage viele gute Torraumszenen erarbeitet, schaffte es aber nicht die Abwehr gegen das starke Paderborner Pressing abzusichern. Nach dem starken Comeback sollte ein Punkt in diesem spektakulärem Spiel zufriedenstellen.

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#81

Beitragvon Hawkeye » Di 13. Nov 2018, 01:56

https://paderball.com/2018/11/11/eine-s ... -wahnsinn/

@DSummer
Hier, das wird dich sicher freuen. ;)
Eben gefunden. Ein schöner Text, auch wenn er zwischendurch etwas "zu technisch" rüberkommt.

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#82

Beitragvon DSummer » Di 13. Nov 2018, 18:13



Danke für den Lesetipp, den ich wirklich empfehlen kann. Inhaltlich auf einem sehr hohen Analysedetailgrad, sprachlich für einige Schmunzler gut und sehr interessant zu lesen, dass die Kieler Spielidee auch beim Gegner gut ankommt ;)

Ein kleiner Vorgeschmack aus dem Beitrag "Eine Studie des Wahnsinns" und gleichzeitg die wohl perfekte Zusammenfassung des Spiels:

"Während Paderborn an der Grenze zum Wahnsinn tanzt, hat Kiel ihn verinnerlicht."

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#83

Beitragvon BWR » Mi 14. Nov 2018, 02:29

:augreib: Dann fehlt ja nur noch ein kleiner Schritt zum Genie.
Walter war nicht groß, war eher klein, und trotzdem meinte er, von den Kleinen einer der Größten zu sein. (Mike Krüger)

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#84

Beitragvon HolsteinSeit1979 » Do 15. Nov 2018, 13:23

Danke für den Link!

Hier die interessanteste Passage:

Während ich auf Paderborner Seite fehlende Überraschung lamentieren kann, kann ich bezüglich Kiels Ballbesitzspiel nur frohlocken. Die Störche, schon in der vergangenen Saison unter Markus Anfang ungewöhnlich offensiv, haben nun, unter Tim Walter, den endgültigen Sprung von der Klippe der Vernunft gewagt – und es ist wunderbar.

An dieser Stelle möchte ich abermals darauf verweisen, dass Kiel mit seiner ersten Ballbesitzphase ein Tor kassierte und nur zehn Minuten später einen weiteren Treffer nach Konter fing. Kiel setzte seine Taktik nicht wegen des Spielverlaufs um, sondern trotz dessen. Kiel fing sich Konter um Konter, änderte aber nichts. Während Paderborn an der Grenze zum Wahnsinn tanzt, hat Kiel ihn verinnerlicht.

Das Aufbauspiel der Störche ist einzigartig. Tim Walter hat es sich bereits in seiner Zeit bei Bayern München zum Ziel gemacht, eines der letzten Paradigmen im Fußball zu sprengen – die Innenverteidigung. Während alle anderen Positionen durch verschiedenste Rollen erweitert wurden, während Stürmer zurückfallen, Flügelspieler und Außenverteidiger einrücken, Achter herauskippen, Sechser zurückfallen und Torhüter vorrücken ist die Innenverteidiger-Position seit jeher die letzte Bastion der Solidität. Innenverteidiger können zwar breit stehen und Andribbeln, aber unter keinen Umständen die erste Linie verlassen.

Keine Mannschaft nutzt ein Vorrücken der Innenverteidiger in höhere Zonen durchgängig, nur einzelne Visionäre wie Sergio Busquets unter Guardiola, John Stones unter Guardiola, Frenkie Beckenbauer… ähm… De Jong, Hauke Wahl, Stefan Thesker und Atakan Karazor rücken, als Innenverteidiger spielend, ohne Ball häufig nach vorne.

Kiel ist einmalig. Während Paderborn über Gjasula und Klement Verbindungen vor der Abwehr schafft, schiebt Kiels komplette Mittelfeldraute ca. 30 Meter vor die Abwehr. Lediglich und einzig und allein Meffert hat die Lizenz, vereinzelt als Sechser zu spielen. Während die Raute in offensiven Zonen vor allem in ihrer Breite variiert, Kinsombi und Mühling spielen nämlich am Flügel, solange die Außenverteidiger tief sind, spielt die Abwehrkette komplett fluide.

Die hohe Position des Mittelfelds räumt riesige Areale vor der Kieler Abwehr, die in der Folge von aus der Kette herausrückenden Spielern besetzt werden.

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#85

Beitragvon AHTS » Mi 13. Feb 2019, 22:40

Ist DSummer noch in der Winterpause? Die Analysen gefallen mir ganz gut. Wäre sehr schade, wenn wir ihn verloren hätten.

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#86

Beitragvon Hawkeye » Do 14. Feb 2019, 00:45

Tja, irgendwie fehlen mir seine Analysen.

Gelöschter Nutzer #1

Re: KSV-Taktik 2018/19

#87

Beitragvon Gelöschter Nutzer #1 » Do 14. Feb 2019, 01:00

Mir auch :=(
Hoffe da ist nichts passiert. Ansonsten starte ich eine Petition "Holt DSummer zurück an die Taktiktafel" :mrgreen:

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#88

Beitragvon henry » Do 14. Feb 2019, 01:16

b3g1nn3r hat geschrieben:Mir auch :=(
Hoffe da ist nichts passiert. Ansonsten starte ich eine Petition "Holt DSummer zurück an die Taktiktafel" :mrgreen:


Ich weiss zwar auch nicht, wo er ist, aber ich glaube noch nicht, dass da was passiert ist. Wir hatten in der Vergangenheit mal Kontakt per PN und da hat er mir gesagt, auch letztes Jahr gab es eine Phase der Abwesenheit, dass solche Phasen immer mal vorkommen können, weil er jemand ist, der gerne Mal im Dezember/Januar längere Reisen macht. Letztes Jahr war er im Dezember/Januar 6 Wochen auf Mexikorundreise. Vielleicht hat es sich jetzt einfach ein bisschen verschoben und er ist noch nicht zurück. Wenn er im April immer noch nicht am Start ist, dann können wir wohl davon ausgehen, dass irgendwas vorgefallen ist. So lange können wir ihm die Zeit geben, von seiner Reise zurückzukommen. :)
Freiheit heisst, anderen Worte sagen zu dürfen, die sie nicht hören wollen.

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Re: KSV-Taktik 2018/19

#89

Beitragvon Stolle » Do 14. Feb 2019, 10:46

Ordnungsgemäß abmelden könnte man sich ja schon ;)
Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher.


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