Vor der Saison habe ich angekündigt, dass nach den ersten 5 Spielen ein erstes Fazit gezogen werden kann. Auch weil die Datengrundlage es dann gut zulässt. Dazu habe ich meine Anmerkungen zu den einzelnen Spielen rausgekramt und hier zusammengestellt. Feedback erwünscht.
Sollte also jemand am spielfreien Wochenende nicht wissen, was er machen soll:
Status Quo nach 5 Spielen, Anfang September 2017
Kiel ist gut in die Zwitligasaison gestartet. 7 Punkte aus 4 Spielen, dazu das Weiterkommen im Pokal können sich für einen Aufsteiger sehen lassen. Beeindruckend dabei ist die Spielweise der Kieler: Offensiv, Pressing, Tore hüben wie drüben. Grob möchte ich die ersten 5 Spiele in 2 Phasen einteilen:
1. Peitz auf der 6 (Sandhausen, Union); 1 Punkt, 5:6 Tore
2. Kinsombi aus der 6 ((Braunschweig,) Fürth, Regensburg); 6 (9) Punkte, 5:2 (7:3) Tore
Ein paar Fakten
Aus der Vielzahl der Daten habe ich einige herausgegriffen, die die bisherige Leistung im Gesamtkontext der Liga einordnen. Kurze Zusammenfassung: Kiel ist ganz gut.
- 6. Platz, 7 Punkte, 10:8 Tore. Das kann sich für einen Aufsteiger mehr als sehen lassen.
- Die direkte Konkurrenz, Regensburg und Duisburg als Aufsteiger, stehen hinter Kiel.
- Kiel stellt die beste Offensive, erzielt im Schnitt 2,3 Tore.
- Kiel stellt die zweitschlechteste Defensive, im Schnitt 2 Gegentore. Wobei sich dies seit dem 3. Spieltag stark verändert hat.
- In verschiedenen Standard-Statistiken ist Kiel irgendwo im Mittelfeld oder im unteren Bereich (z.B. Ballbesitz Platz 11 mit 50,3%; Passquote Platz 14 mit 70,7%). Für die Kieler Spielweise (s.u.) wohl eher zu vernachlässigen.
- Die meisten Torschüsse pro Spiel mit 17 gibt Kiel ab (Durchschnitt ca. 14).
- Kiel schießt auch am häufigsten innerhalb des Strafraums 11,2 mal pro Spiel (Durschnitt ca. 7-8). 66% Schüsse aus dem Strafraum sind hier Spitzenwert der Liga. Diese Werte zeigen wie effektiv die Offensive arbeitet und wie kreativ sie sich Chancen in besten Positionen im Strafraum herausspielt. Zusammen mit der durchschnittlichen Ballbesitzquote deutet dies auf das schnelle Umschaltspiel hin.
- Defensiv fängt Kiel am meisten Bälle pro Spiel ab (18,5), blockiert viele Passspiele (10,5 pS Zweiter in der Liga; Durchschnitt etwa 7,5). Hier auch ein guter Hinweis auf das effektive Pressingspiel Kiels.
- Kiel ist bei offensiven Schnittstellenpässen und langen Bällen in der Spitzengruppe der Liga. Ebenfalls ein Hinweis auf das schnelle Umschaltspiel nach Ballbesitz.
- 4 der 10 Gegentore sind nach Standards gefallen. Eher eine Schwachstelle Kiels.
- Kiel greift relativ ausgeglichen an: 31% durch die Mitte, 33% links, 36% rechts, wobei Kiel zu Hause stärker über rechts und auswärts stärker über links angreift.
- Torabschlüsse fallen zumeist über die Zentrale mit 68%, gefolgt von 19% über die linke Seite und 13% über die rechte Seite.
T- orschüsse gegen Kiel kommen mit 81% hauptsächlich über das Zentrum. Die Außen mit 6% links und 13% rechts sind relativ sicher.
Wie spielt Kiel?
Für den regelmäßigen Stadionbesucher oder Sky-Zuschauer wird hier wenig Neues stehen. Der Vollständigkeit halber trotzdem eine kurze Zusammenfassung:
Der
Kieler Spielstil folgt einem klaren Konzept: Offensives Spiel; Schnelles Umschalten offensiv wie defensiv; intensives Pressing; aggressives Rausrücken; schnelle Vorstöße flach und hoch; variable Angriffsstrukturen. Kiel spielt einen vertikal orientierten Fußball mit dem Ziel schnell vor das gegnerische Tor zu kommen und ungeordnete Spielsituationen nach Ballgewinn auszunutzen. Ballgewinnung und das anschließende Passspiel in die Spitze ist dabei risikoreich, sodass es in einigen Spielen zu einer gewissen „Pokalatmosphäre“ kam – schnelles Spiel in beide Richtungen. Für die Zuschauer klasse, für das Torverhältnis eher weniger. Nach der Umstellung Kinsombi auf die 6 aber deutlich besser im Griff.
Defensiv spielt Kiel ein Mittelfeldpressing, das um die Mittellinie einsetzt. Kiel lässt den Gegner zunächst den Ball in der Verteidigungslinie. Z.B. Ducksch läuft den ballführenden Spieler an und drängt den Ball auf eine Seite. Im Mittelfeld werden Anspielstationen zugestellt und ein geordneter Spielaufbau in dieser Zone so unterbunden. Kiel steht relativ hoch, um direkten Zugriff auf den Gegner zu haben und nach Ballgewinn schnell umzuschalten. Kiel steht hoch verteidigend in einem 4-1-4-1, tief verteidigend in einem 4-4-2. Die Staffelung ab dem Pokalspiel war durch zwei Aspekte verbessert: Kinsombi eher defensiv orientiert und Lenz stärker eingerückt für Überzahl im linken Mittelfeldbereich. Passwege werden in Ballnähe bewusst gesperrt, sodass nur risikoreiche hohe Bälle oder rückwärtsgerichtete Zuspiele möglich sind. Ducksch bleibt als einziger Spieler hoch stehen und „zockt“ auf einen Ballgewinn und damit verbunden sofortigen Gegenstoß.
Kiel versucht
offensiv mit Spielverlagerungen durch Diagonalbälle Räume zu nutzen und schnell hinter die gegnerische Abwehrreihe zu kommen. Im gegnerischen Drittel schafft Kiel mehrere Anspielstationen, sodass ein Überlaufen des Gegners ermöglicht wird. Der Gegner wird vor allem auf der rechten Seite rausgelockt, um dahinter Räume entstehen zu lassen. Die Offensive rotiert regelmäßig, zwingt den Gegner so sich ständig auf neue Spielertypen einzustellen.
Soweit eine kurze Übersicht. Weitere Details sind in den einzelnen Spielanalysen der letzten Seiten zu finden.
Welche Spielertypen hat Kiel?
Diesen Spielstil haben folgende Spieler umgesetzt:
Kronholm; TW; eher antizipativ; mitspielend; eröffnet das Spiel mit guten, langen Bällen.
Czichos; IV links; Kapitän; Spielmachender IV; koordiniert Abwehr; präzise Umschaltmomente mit Steilpässen und langen Bällen; Antreiber; rückt aus Kette raus.
Schmidt; IV rechts; eher klassischer IV; rückt aus Kette raus.
Herrmann; AV rechts; Offensiver Flügelverteidiger; rückt bei Ballbesitz ins Mittelfeld vor.
Lenz; AV links; Hybrid: Offensiver Flügelverteidiger; offensiv leicht eingerückt; unterstützend im defensiven MF.
Kinsombi; MF 6; Abräumer; Typischer 6er; ordnet Mittelfeld und Sturm; Bindeglied Abwehr/Angriff; eher horizontal orientiert.
Mühling; MF 8; Tiefstehender Spielmache; ständig anspielbar; ballnah und nicht positionsgebunden; strukturiert Angriffe; Defensiv im 4-4-2 als 6er.
Drexler; MF 10; Spielmacher; keine spezielle Position; Antreiber; passsicher, kreativ.
Lewerenz; FS links; Flügelstürmer im 3er-Sturm; trickreich; gute Flanken; Zug zum Tor; hoch lauernd; nach Flügelwechsel nach innen ziehend.
Schindler; FS rechts; Flügelstürmer im 3er-Sturm; deckt verstärkt gegnerischen Flügelstürmer; trickreich; gute Flanken; Zug zum Tor; eher aus der Teife kommend; nach Flügelwechsel nach innen ziehend.
Ducksch; ST 9; Zentrumsstürmer; Mitspielender Stürmer als falsche 9; lässt sich zurückfallen und greift in den Aufbau ein; Zielspieler für hohe Bälle und flache Schnittstellenpässe; presst gegen die IV; "zockt", d.h. bleibt bei gegnerischem Ballbesitz weit vorne und zockt so auf schnelles Umschaltspiel nach Ballgewinn.
Ich habe bewusst diese 11 Spieler ausgewählt. Peitz und Heidinger konnten sich im aktuellen System nicht bewähren. Lenz wird bis ins nächste Jahr ersetzt werden müssen. Eine besonders interessante Position, da er als hybrider Spieler Aufgaben eines Außenverteidigers und 6ers übernommen hat.
Schlüsselspieler
Legt man nun die Kieler Spielweise über die Spielertypen, erhält man einige für das Spielsystem besonders wichtige Spieler.
Zunächst hat Kiel eine starke vertikale Achse mit Czichos – Kinsombi – Drexler – Ducksch, welche sich über das ganze Spielfeld zieht. Diese Spieler konnten bisher auch alle auf ihren Positionen im Ligavergleich überzeugen.
Czichos geht als Kapitän stets voran. Seine starke Passquote von 85,8% beruhigt das Aufbauspiel. Er unterbindet viele Angriffe durch starkes Rausrücken aus der Abwehr und fängt so pro Spiel 3,3 Bälle ab (Kinsombi zum Vergleich 1,3). Pro Spiel klärt er 3,8 Bälle, z.B. nach Flanken und schaltet sich offensiv mit 7,8 langen Bällen ins Aufbauspiel ein.
Kinsombi überzeugt auf seiner Position mit Ruhe und stabilisiert das Kieler System damit. Seine Passquote von 81,8% bei 3,3 Fehlpässen pro Spiel und seine hohe Tacklingerfolgsquote von 89% fehlten im Zentrum noch unter Peitz (PQ: 54,5%; TQ: 57%; 10,3 Fehlpässe pS). Dafür ist Peitz in der Luft Peitz kaum zu schlagen, hier kann sich Kinsombi noch etwas abschauen. Am Boden allerdings ist Kinsombi beim rückwärtsgerichteten Stellungsspiel und Passspiel sicherer. Vor der Saison habe ich in einem Beitrag erläutert, warum die 6 als Schlüsselposition im 4-1-4-1 so wichtig ist und hinterfragt, ob Kiel hier mit Peitz gut aufgestellt wäre. Kinsombi hat sich gut in die Lücke eingebracht.
Drexler zum aktuellen Zeitpunkt vielleicht der beste Spielmacher der zweiten Liga (2 Tore; 1 Assist). Daher auch verdient aktuell führend z.B. im Kicker-Ranking (,sofern man dies als Maßstab gelten lässt). Er ist praktisch überall im Mittelfeld anspielbar, spielt viele und gute Pässe in die Schnittstellen, legt Tore auf, schließt selbst gefährlich ab. Zudem arbeitet er auch defensiv mit und erobert einige Pässe ab, die dann sofort in die Offensive weitergeleitet werden.
Ducksch spielt bisher auch eine starke Saison und knüpft damit an die Leistungen der Drittligasaison an (3 Tore). Auch er momentan einer der besten Spieler der 2. Liga nach Kicker-Ranking mit einem geteilten 4. Platz. Als Zielspieler hoch oder flach anspielbar, geschickt im Zweikampf, mit gutem Gespür für Räume und abschlusstark.
Drexler und Ducksch haben somit die Hälfte der Kieler Tore geschossen, Drexler legte dabei ein Tor von Ducksch auf.
Lenz spielt als hybrider Spieler auf der Außenverteidigerposition und bei Ballbesitz oft als zusätzlich eingerückter Mittelfeldspieler. Schindler holt sich viele Bälle aus der Tiefe und ist mit seiner robusten Spielweise ein unangenehmer Gegenspieler.
Besonderheiten des Kieler Spiels
In den ersten Spielen tauchten einige Besonderheiten wiederkehrend auf, die ich als charakteristisch für das Kieler Spiel sehen würde und bereits erste Entwicklungen der Taktik zeigen.
1. Kieler Zentrum
Die ersten beiden Spiele mit Peitz waren zentral instabil und die Balance zwischen Defensive und Offensive war zugunsten der Offensive ausgerichtet. So konnte Kiel zwar für viel Torgefahr sorgen (5 Tore), allerdings auf Kosten einiger Gegentore (6 Gegentore). Erst mit dem Wechsel von Kinsombi auf die 6 wurde das Kieler Spiel ruhiger und war vor allem nach Ballverlusten nicht mehr so anfällig. Die Spielerstatistiken stützen diese Einschätzung. Es ist insgesamt eine Frage der Spielweise: Peitz offensiver mit Zug zum Gegner und weg von der Kieler Abwehrreihe oder Kinsombi defensiver mit stärkerer Bindung an die Abwehrreihe. Der Wechsel hatte in Bezug auf die Torgefahr kaum Auswirkungen. Kiel kommt weiterhin zu Torchancen, ist im Mittelfeld weiterhin überlegen und presst den Gegner früh. Defensiv hat dies allerdings einiges bewirkt. Kiel bekommt deutlich weniger Gegentore, lässt den Gegner seltener in die gefährliche zentrale Zone kommen und dort den Ball kontrollieren, die Abwehr wird entlastet und muss nicht mehr so riskant rausrücken.
Holstein_Zentrum.jpg
In der Grafik ist die Wirkung des Wechels durch den Kasten um Kinsombi zu erkennen. War bei Peitz dieser Raum oft unbesetzt und gleichzeitig Mühling und Drexler etwas höher positioniert, steht Kinsombi zumeist in genau diesem Raum und gleichzeitig fallen Mühling und Drexler etwas zurück.
In den letzten 3 Spielen kam nach 2/3 des Spiels Peitz für Mühling. Peitz ging dann auf die 6, Kinsombi rückte auf die 8 vor. Sandhausen gelangte in der ersten Halbzeit gegen Kiel immer wieder in die zentrale hinter Peitz und vor der Kieler Abwehr. Gegen Union versuchte Kiel noch die zentrale mit einer Doppel-6 in der zweiten Halbzeit zu sichern, was auch gelang mit Peitz neben Mühling. Dadurch ging allerdings einiges an offensivem Drive verloren, sodass Markus Anfang danach wieder auf das bewährte 4-1-4-1 setzte, wie beschrieben mit Kinsombi für Peitz.
Die Problemezone "Zentrale" ist für den Moment gut gelöst und sollte auch in den kommenden Spielen gegen Lautern und Aue keine großen Schwierigkeiten bereiten.
2. Asymmetrie der Kieler Aufstellung
Kiel spielt mit Lenz und Lewerenz auf der linken Seite hoch, während gleichzeitig Herrmann/Heidinger und Schindler auf der rechten Seite tiefer stehend. Dadurch verzerrt die taktische Aufstellung hin zur linken Seite. Lenz tendiert auch dazu häufig in die Mitte zu ziehen, als zusätzlicher 6er. Es entstehen zwei „Lücken“, in der Grafik zu sehen als rote Kästen.
Holstein_Asymmetrie.jpg
Dieses Vorrücken wird unterschiedliche abgesichert: Kinsombi zieht häufig bei Vorstößen von Lenz als Absicherung nach hinten, situationsabhängig auch Drexler oder Lewerenz. Czichos weicht auch auf die Außenverteidigerposition nach links, sofern Kiel den Ball schnell verliert und diese Lücke bespielt wird. Lewerenz gibt auf der linken Flügelseite die Breite und hält einen hohe Position, sodass der Gegner hier auseinander gezogen wird. Dies wurde nach dem Sandhausen spiel verstärkt.
Allgemein spielt Kiel nach dem Sandhausenspiel breiter und zieht den Gegner insgesamt auseinander, um die Zwischenräume und Schnittstellen besser nutzen zu können. Auf der rechten Seite zieht Schindler seine Gegenspieler mit direkten Rückspielen an sich und schafft dahinter Räume, die Drexler, Ducksch, Herrmann, schnell anlaufen können. Diese Zone auf der rechten Kieler Offensivseite sucht Czichos mit seinen zahlreichen langen Bällen.
3. Intensives Pressing
In irgendeinem Interview von Ralf Rangnick zum Thema Presssing von Hoffenheim und Leipzig, sagte er, dass die Wahrscheinlichkeit den Ball zurückzugewinnen nach 5 Sekunden rapide abnimmt. So trainieren diese Klubs auch. Kiel zeigt nach Ballverlust ein ähnlich schnelles Umschalten auf Ballrückgewinnung. Die hohen ballnahen Positionen im 4-1-4-1, das Kiel immer zum Ballführenden verschiebt, erlauben diesen schnellen Zugriff auf den Gegner. Die Dreiecksbildung über das ganze Spielfeld im 4-1-4-1 ermöglicht ein schnelles Umschalten (vgl. Grafik). Bisher hat kein Gegner dafür eine Lösung gefunden (am ehesten Union in der 2. HZ), die nicht in einen offenen Schlagabtausch (Union, Fürth je 1.HZ) geführt hat. Sandhausen, Braunschweig z.B. suchten ihr Heil in einer kompakten Defensive und ließen Kiel spielen, bis sie in Rückstand waren und Kiel sich etwas zurückzog.
Der Einsatz des Teams stimmt, unabhängig vom Spielstand versucht sich jeder für den anderen einzusetzen.
Holstein_Netz.jpg
4. Offensive und Umschaltspiel
Das Prunkstück Kiels. Wieder zurück zu Rangnick: Die höchste Chance auf ein Tor hat ein Team bis 10 Sekunden nach Ballgewinn. Nach Ballgewinn durch das intensive Pressing spielt Kiel mit wenigen Pässen schnell in die Spitze, sucht dabei mit Schnittstellenpässen und hohen Bällen hinter das gegnerische Mittelfeld oder sogar die gegnerische Abwehr den schnellen Weg zum Tor. So ist Kiel aktuell führend in der Torschusstabelle, genauso wie im Tableau für Schüsse aus dem Strafraum. Die taktische 4-1-4-1 Aufstellung schafft stets Anspielstationen im Zuge der Dreiecksbildung in der vordersten Reihe oder bietet gute Laufwege in diese an. Die Positionierung der Kieler Offensive ist einem 2-3-2-3 ähnlich, wobei sehr fluid interpretiert. Hier entstehen auch aus dem Spiel heraus gefährliche Situationen. Kiel kann sich also entweder hinten reinstellen und schnell kontern oder das Spiel machen und den Gegner hinten reindrängen.
Grenzen des Kieler Spiels
Zum Schluss noch ein paar Gedanken, wo die Kieler Taktik ihre Schwächen hat:
Drexler ist bisher der überragende Spielmacher. Ein gegnerischer Trainer wird ihm früher oder später einen Spieler an die Seite stellen. Kiel ist zwar flexibel, was die Offensive angeht, aber Drexler sticht aktuell heraus und könnte so etwas aus dem Spiel genommen werden.
Ein hohes Spielsystem des Gegners könnte Kiel weit zurückdrängen und damit die Offensive abschwächen. Das werden wahrscheinlich nur Top-Teams spielen mit der entsprechenden Qualität, sodass Kiel in den meisten Spielen hier weniger Probleme bekommen könnte.
Die Achse Czichos-Kinsombi-Drexler-Ducksch ist das Rückgrat von Kiel. Fällt ein Spieler in dieser vertikalen Achse aus, müssen die Ersatzspieler in große Fußspuren treten. Im Laufe der Saison werden wir erst sehen, ob der Kader in der Breite stark genug aufgestellt ist.
Verletzungen und Sperren müssen vermieden werden, um die Eingespieltheit weiter als Bonus ausspielen zu können. Lenz' Ausfall ist hier die erste große Aufgabe: Kiel muss bereits im nächsten Spiel umstellen und einen Ersatz für Lenz aufbieten. Herrmann und Heidinger könnten die Außenverteidiger stellen, die Frage ist dann nur wer wo spielt und ob die hybride Interpretation des linken Außenverteidigers so bestehen bleibt. Das könnte starke Auswirkungen auf die Grundordnung haben und die Asymmetrie ändern. Herrmann ist ein auch offensiv mitspielender Außenverteidiger und würde vom Spielstil besser auf die Position passen, sodass Kiel insgesamt weniger ändern müsste. Er zieht zudem auch auf der rechten Seite hin und wieder in die Mitte und könnte auch den Part als Mittelfeldspieler ersetzen. Van den Bergh ist ein erfahrener linker Verteidiger, der diese Position bereits gut kennt. Die Frage wird sein, ob eine Woche Mannschaftstraining ausreicht für die Startelf.
Standards führen zu einigen Gegentoren. Kommt der Gegner direkt vors Tor, kann Kiel den Ball nicht immer souverän klären, die Zuordnung passte nicht immer. Der Gegner hatte im Rückraum besseren Zugriff. Forciert der Gegner Standards wie Ecken und Einwürfe in Strafraumnähe, könnte dies zu Toren führen.
Momentan läuft alles für Holstein. Wie aber reagiert die Mannschaft nach 3 Niederlagen in Folge?
Wie kann Kiel besiegt werden?
Um hier weiteren Diskussionsstoff zu schaffen: Mein Vorschlag wie mein nicht vorhandenes 2.Liga-Team gegen Holstein spielen würde:
Czichos am Spielaufbau hindern durch Stürmer; Drexler mit Manndecker; Pressing ab Mittelfeldlinie; Defensive etwas zurückgezogen, um wenig Raum für Tiefenläufe zu lassen; Defensiv 4-3-2-1, um keine Schnittstellenpässe zu zulassen; Offensiv 2-5-3 um Zugriff im Mittelfeld zu bekommen und das Spiel breit zu machen, damit das Kieler Mittelfeld sich ebenfalls breit stellen muss und so Lücken bietet.
Zudem zeigt Kiel immer wieder Phasen in denen der Akku der Spieler aufgeladen werden muss. 90 Minuten Pressing klappt nicht. Das könnte man bewusst für die eigene Ingame-Taktik nutzen und den Spielrhythmus anpassen.
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