Wieder zurück vom Ronhof!
Was ist das hier bloß für‘n norddeutsches Schietwetter nach diesem herrlichen Vorfrühlingstag dort unten! Völlig entspannte Anreise in gerade mal 6 Stunden, das hatte uns nicht mal das Navi zugetraut. So war vor dem Spiel, obwohl wir erst um 5.30 in Kiel los waren, noch viel Zeit, um neueste Infos aufzunehmen, ohne Kenny und mit Karazor lautete die Kurzform. Der Ronhof ist eine Baustelle, man werkelt an einer Hightech Haupttribüne mit vielen Logen und Komfort, so soll Beton Stück für Stück die großen Stahlgerüsttribünen ersetzen. Von außen sieht das Stadion eher wie ein Kaufhaus aus, nur ohne zues Dach. Darf auch nicht wegen des Rasens, wenn man den noch so nennen darf. Farbe zartgrün mit noch einigen vorhandenen extrem kurzen Halmen, hart, trocken und stumpf. Kein Rasen für schnelles Passspiel, daß unsere Jungs gerne brauchen. Eine Kampfarena, was erklärt, warum Fürth hier sonerfolgreich ist. Alles ist darauf ausgelegt, den Gegner so zu bearbeiten, daß kein Spiel zustande kommt. Und das gelingt letztlich.
Das eigene Spiel ist Fürth egal, pressen, draufgehen, jedes Abspiel stören und immer hart am Mann, notfalls halten, eine eklige Spielweise. Wir lassen uns beeindrucken und versuchen Tempo ins Spiel zu bekommen, anfangs wirken wir eingemauert, später landet gefühlt jeder zweite Ball beim Gegner, eine logische Folge. Wir fangen das diskutieren an und verlieren so manchesmal die Konzentration, weitere Fehler entstehen, die zu Fouls führen, Standards die Fürth will, ein Kopfball landet auf dem Tor, das von Kruse souverän letztlich sauber gehalten wird.Die wievielten gelben Karten waren das eigentlich für Drexler, Schindler und Herrmann? Stück für Stück hat Fürth uns da, wo sie uns hinhaben wollen. Weilandt kommt für Lewerenz, ein Flügel gestutzt, da Tom immer viel zu früh in die Mitte zieht, anstatt das Spiel breit zu machen. Seydel kommt, Ducksch weicht dahinter aus und verschwindet praktisch. Genau andersherum muss Anfang es machen Seydel ist kein 9er, er kann Ducksch viel besser auflegen als andersherum! Seydel hätte für Lewerenz kommen müssen und Peitz für Karazor. Nein Peitzer wird als Brechstange vorne reingeworfen, vorne stehen sich nun vier Angreifer quasi auf den Füßen und können sich gar nicht mehr anspielen. Ganz leicht zu verteidigen für Fürth nun und vorne entsteht nun Platz, wenn nur ein Ball da hinten durchrutscht dann klingelt es! Aber trotz des taktischen Harakiris klingelt es nicht, weil wir vier Ausnahmeverteidiger haben, die auch ohne Anschluss an das eigene am Ende nicht vorhandene Mittelfeld, nichts zulassen. Czichos, Herrmann, van den Bergh und der beste Mann auf dem Platz, Domme Schmidt, das war bundesligareif, so einen Verteidiger hat z.B. ein HSV nicht! Tragischer Held bleibt natürlich Ducksch, der nach dem Schlusspfiff untröstlich zusammensackt. Wenn man nur zwei Hunderprozenter bekommt, kann man einen schon mal machen. Es sollte nicht sein. Für meinen Geschmack ist Ducksch heute auch zu viele hoffnungslose Wege gegangen, da wir unser Pressing schlecht abgestimmt hatten. Karazor macht in der Sache überhaupt nicht mit und will alles spielerisch lösen, aber auch da verzettelt er sich zu oft. Seit Peitzer die Sechs nicht mehr spielt, fehlt ein ganz wichtiger Baustein unseres Erfolgsteams des Vorjahres, mit seiner Erfahrung auf der Position hätten wir gegen die ungestümen Fürther heute besser ausgesehen. Außerdem fehlt er als Zielspieler bei sämtlichen Standards, deren Auführung wir mangels mannschaftlichen Trainings ja im Gegensatz zum Saisonbeginn völlig verlernt haben. Letztlich spielen wir ja andersherum auch eine eklige Taktik und lassen auch den Gegner so wenig wie möglich spielen. Daß dann so ein zerfahrenes Spiel dabei herauskommt ist kein Wunder, deswegen hat keiner „schlecht“ gespielt, man sollte die Mannschaft wegen eines solchen Spieles nicht heruntermachen. Auch Anfang ist ja auf Fürthis Taktik hereingefallen und hat mit seinen Umstellungen viel eher den Punkt aufs Spiel gesetzt, als vorne was zu bewirken.
Wir genießen das Sammeln der letzten 6 Punkte für den Klassenerhalt eben ein wenig ausgiebiger als andere in der Liga, mehr ist ja ohnehin nicht geplant.
Der Support passte sich dem Spiel heute auch an. Der Protest gegen die Nichtzulassung aller Fanutensilien wurde nicht kommuniziert, stattdessen wurde der gut gefüllte Block nach oben hin unter das dunkle Dach unsinnigerweise zusammengepfercht, von unten sah es nun so aus , als wären wir gerade mal 50 statt der anwesenden guten 300. Die Mitmachquote sank allein wegen dieser komischen Aktion schon mal kräftig, abgesehen davon, daß das Spiel für die meisten eh scheisse war.
Mangels Fürther Attraktivität, man möge mich eines Besseren belehren, sind wir dann nach Bamberg gefahren, immerhin lockte so ein braunes Weltkulturerbe Schild. Wohl nicht wegen der Brose Arena, die uns als erstes ins Auge fällt, sondern wegen seiner zahlreichen Bauten, Kirchen, Döme und Burgen. Dom ist Hammer, obere Pfarrei auch. Nonnenkloster und etliche Brauereien, die Bayern, nee, Franken stehen auf sowas ja wohl ungemein. Mit Hereinbrechen der Dämmerung bezwingen wir noch den Wehrturm der Altenburg und genießen einen herrlichen Rundumblick, im Nordosten bis zur Ostsee und im Süden bis zum Mittelmeer meinte man kucken zu können, na vielleicht war es auch nur der Lago Maggiore oder son Tümpel. Pünktlich zur Sportschau sitzen wir wieder im Auto und werden jäh an dieses verkorkste Spiel vom Nachmittag erinnert, hatten wir es doch schon fast vergessen...

Don't stop believin'...