„Wir können nach Hause fahren, und ihr müsst hier wohn‘!“ sangen wir am Ende, wie wahr, Sandhausen. Noch klebt der gelbe Matsch an den Sohlen meiner Schuhe, der Magen rumort immer noch ob dieser saublöden Feuerwurst und der Schädel brummt ob der 1500 Autobahnkilometer vom Wochenende, nein, mein Entschluss steht, nie wieder Sandhausen!
Dabei hatte alles so schön angefangen, zum Abschlusstraining die Truppe im Stadion gefunden, die Variante Weilandt und Seydel mochten wir hier nicht preisgeben, wer weiß schon, wer hier mitliest. Ducksch musste das Training abbrechen, fit ist was anderes, was ja auch nach der Einwechslung dann sehr deutlich zu sehen war, als der Muskel wieder zu machte. Heidelberg hieß dann im weiteren Verlauf des Tages unser Reiseziel, laut Kenny Kronholm die schönste Stadt Deutschlands, sei er ja schließlich dort geboren. Immer irgendwie lustig, wenn man unten mit dem Auto fährt und die Mannschaft hoch droben aus dem Himmel Bilder via Instagram aus dem Flieger postet, der „Angst“ post, wo Kenny sich an Duckschers Brust kuschelt, kult! Wie immer, sind die aber mit Flieger auch nicht schneller.
Der Abend in Heidelberg sollte uns über den Weihnachtsmarkt führen, ja die lange Einkaufsmeile mit ihren 6 Weihnachtsmarktplätzen sind ja schon ganz nett, ja, wenn diese Menschenmassen und dieser Nepp nicht wäre. Überall dasselbe, als wenn es jeden Stand in jeder Stadt als Kopie gäbe, einzig die Kulisse vor dem Schloss lässt einen ein bisschen warm ums Herz werden. Klarer Entschluss, wech hier, rauf zum Schloss. Kaum eine Menschenseele dort, selbst die Kassierer sind nach Haus. Oben auf dem Schlossvorhof wie ein Fürst zu stehen, dem Treiben des Fussvolkes zu fröhnen und dem ruhigen Fluss des Neckars zu lauschen, die weihnachtliche Beleuchtung und der Duft gebrannter Mandeln in der Nase, der schönste Moment der Auswärtsfahrt...
Der kurze Weg zum Stadion nach üppigem Frühstücksbuffet, für mich sind ein paar Tassen Tee drin, schnell geschafft, Sandhausen ein Dörfchen mit engen Ortsdurchfahrten in dem es zwar noch alles gibt, aber auch ein Dörfchen, wie es sie zu Hunderten dort unten gibt, Attraktionen Fehlanzeige, deshalb wohl auch dieser ominöse SV Sandhausen. Irgendwer, und mich interessiert wirklich nicht wer, hat dann mal Geld in die Hand genommen, und diesen Verein gepusht. Die alte kleine Tribünen die einzige mit Charme. Alle anderen einfach charmlos dazugestellt, Stahlgerüst mit Betonauflage und Blechdach, einzig die Werbung erscheint überall homogen. Vom benachbarten Bauern wurden einfach ein paar Koppeln am Hardtwaldesrand gekauft, die ausreichend gemischte Parkplätze bieten, im Gegensatz zu Kiel ein Gut vom dem es auf dem Lande eben viel gibt, Platz. Angrenzend das Nachwuchsleistungszentrum, das wohl niemals einen Stern bekommen wird und zu dem Eltern ausdrücklich keinen Zutritt haben, elternfreie Zone! Jetzt weiß ich auch, warum Spieler von unserem Trainingsgelände schwärmen, wenn sie es das erste mal sehen.
Zum Spiel wurde hier ja schon viel gesagt, je nach Sichtweise. Weilandt rechtfertigt seine Aufstellung nicht besonders, weil er nicht wie die anderen in der Mannschaft eine Fähigkeit hat, die er außergewöhnlich gut beherrscht, einfach nur ein Allrounder. Seydel als 9er aufzustellen war wohl alternativlos, aber nicht gut. Auf außen wie in Heidenheim oder als hängende Spitze hinter einem Höler, ach nee, der ist ja nicht bei uns, würde er noch viel besser aussehen, abgesehen von seiner Frisur
Dennoch präsentiert sich unsere Mannschaft auf dem Acker eine Halbzeit lang sehr stabil und nichts, nein rein garnichts deutet darauf hin, daß sich das Spiel derart drehen sollte. Zweikämpfe werden fast ausnahmslos gewonnen, Fußball spielen eigentlich nur wir. Vorne sind klare Chancen da, Seydel mit Kopf, einige Schüsse die daneben gehen und dann das Geschoss mit Aussenrist vom Fußballgott...es wäre zu schön gewesen!
In der zweiten Halbzeit dreht sich dann alles mit dem Gegentor aus heiterem Himmel. Schmidt bettelt um gelb, Czichos bekommt sie, wenn man schon foulen will, dann rechtzeitig. So wie Sandhausen. Was die treten, weil sie sich fußballerisch nicht wehren können, geht auf keine Kuhhaut. Und bringt uns zur Weißglut. Schmidt allen voran. Ein weiterer Stellungsfehler, ein klassisches Herrmann Tackling, Elfmeter. Gäbe es den Videobeweis, hätte das Spiel eine halbe Stunde länger gedauert, so oft hätte der Schiri mit Köln telefonieren müssen. Zu oft liegt er daneben, selbst Anfang hält es nicht mehr auf der Bank, „tauscht“sich mit Sandhausens Trainer aus. 0:2, endlich wird reagiert, Peitzer soll kommen, doch schon das 3:0. Da weiß auch Anfang, daß das Ding gelaufen ist. Die Mannschaft nicht. Die wollen spielen, Sandhausen nicht. Peitzer macht das Tor, der Block, gut 200 sind wohl da, tobt. King trifft den Pfosten, wenn der rein geht, holen wir noch was. Dieses ekelhafte Zeitspiel und die versteckte und offene Foulspielerei nervt einfach nur. Der Schiri schafft es einfach nicht, auf dem Platz die Sportlichkeit herzustellen, leidtragend sind wir. Aber wir werden lernen müssen, bei Rückstand stabil zu bleiben und die Nerven zu bewahren. Diese Situationen wird es in Zukunft sicher öfter mal geben.
Nun spielen wir ohne Czichos, Schmidt und Mühling gegen Union, quasi ohne Kopf, Lunge und Herz, nein, das wird nicht gut gehen, oder doch? Erstmal Weihnachten, die Pause wird uns gut tun...

Don't stop believin'...