Was in Braunschweig zu sehen war...war sicher keine schlechte Schiedsrichterleistung. Eine klare Fehlentscheidung, die gelbe Karte gegen Czichos, war krass, kommt aber vor, den Elfmeter hat im Block und auch von der Mannschaft kaum einer wirklich gesehen und gefordert, ansonsten der Schiri mit klarer Linie, Gestik und Ruhe. Ein Ittrich hätte drei Elfer gepfiffen, solche Selbstdarsteller sind viel schlimmer. Wir hatten genug Möglichkeiten, das nötige und verdiente Tor zu machen, die Ruhe beim Torschuss, derer hätte es bedarft.
Aber rund ums Spiel gab es noch viel mehr zu erzählen. Fängt mit der Anfahrt auf einem Freitagnachmittag an. Wer Google Maps benutzte konnte mit jedem Gefährt in maximal 3,5 Stunden in Braunschweig sein, die Stauumfahrung über Celle sogar kürzer, spritsparend und zudem sehenswert. Nur wenn einem nach einem Bedürfnis war, gab es auf der Strecke kaum ein Feldweg, an dem Mann nicht schon in freudig beleuchteten Wohnwagen erwartet wurde, schließlich wurde dann doch noch ein unbeleuchtetes Bäumchen für unseren Mitfahrer gefunden. Ebenso freudig wurden wir dann von den blauweißen Wagen auf dem Gästeparkplatz in Empfang genommen, auch da war für alle Bedürfnisse vorgesorgt. Sehr schön auch die passende Beschallung durch die „bösen Onkelz“ aus einem unserer 9er.
Endlich wurde ich am Einlaß auch mal auserkoren, an einer besonderen Personenkontrolle teilzunehmen, was ja sonst meist nur den Ultras vorbehalten ist, ok, nächstes Mal werde ich besser rasiert zu einer solchen Veranstaltung fahren, mein Taschenmesser hamse trotzdem nicht gefunden.
Etwas zu essen war das nächste Bedürfnis, Pizza, fein, eine Viertelpizza für 4 €... ja, kann man machen, aber immer noch tausendmal besser als die Stadionwurst. Mich wundert, das Calcio Culinaria dieses elendige Würstchen nicht schon als das mieseste Wurstvergnügen aller Stadien weltweit gekürt hat, einfach nur eine Frechheit! Mag aber auch sein, daß es für die Gourmets der Presse eine Extrawurst gab...
Durchweg Positives gab es dann aber aus dem Innenraum. Endlich mal ein zweckmäßiges Stadion mit sehr guter Sicht ohne Netze und störende Pfeiler, trotz der durch die Laufbahn bedingten größeren Entfernung, aber viel besser gelöst als z.B. In Nürnberg. Keine 50 Stehplatztickets wurden nicht verkauft und der Stadionsprecher musste den Kieler Fanblock aufrufen, ein wenig zusammenzurücken, damit auch alle hineinpassen. Also 1550 Steher und gut 100 Sitzer von den über 21000 Zuschauern gingen an Kiel, das ist für einen Freitag schon mega geil. Vor einem Jahr stand ich noch mit 150 treuen Seelen in Erfurt, als Peitzer mit seinem 1:1 kurz vor Schluss den Grundstein für den Kieler Aufstieg legte, vor allem moralisch.
Langsam wird der Block wieder bunter, auch ältere Fahnen sieht man wieder wie „Osterby“ „Kiel on Tour“, „la sangre moza“,und natürlich die altbekannten wie „BaGaLuTeN“, „Knüppelduun Eckernför“, Sektion „Euro Dance“, „Rangers on Tour“, „H 1912“, „Nordmänner“, „North Crew Kiel“,“Förde Syndicat“, „Legionäre“ und „Nordbande Kiel“ sowie zwei neutrale bwr Schwenkfahnen im Block. Vielleicht schiebt ja zur Rückrunde gegen Union schon mal wieder jemand eine Choreo an um endlich mal wieder auch Farbe zu bekennen. Laut war es in Braunschweig ja schon, sehr laut sogar, nur reinbrüllen konnten auch wir den Ball nicht. Zum Abgesang gab es „oh KSV, so wunderschön“ und natürlich durfte auch der „Spitzenreiter“ nicht fehlen. Ein unentwegter sang in Endlosschleife „Last Christmas, i gave u my heart....i gave it to Patrick Herrmann“ und Ducksch bekam den Johnny Däpp Song auf Marvin Ducksch umgereimt. Als 25 min nach Spielende die Mannschaft nocheinmal rauskam, waren leider die meisten schon weg, das war ein bisschen schade. Aber die Rückfahrt bei anfangs glatten, dann aber erfreulich trockenen Straßen wollte jeder ja auch bald angehen. Bispingen als letzen Stop vor Kiel hatten dann auch jede Menge Kieler wieder auf dem Zettel, um dann zur Mitternacht wieder in Kiel einzurollen. Schon am Samstag wird sich der ganze Tross wieder gen Sandhausen aufmachen, zum letzten Akt dieses saugeilen Holsteinjahres 2017, von dem ich incl. Vorbereitung nicht ein Spiel verpasste. Viel gesehen, viel erlebt, viel gefeiert, einfach schön. Danke Jungs, danke Holstein!

Don't stop believin'...