Coronavirus — 2020/21

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Ich
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Ich » So 22. Nov 2020, 11:52

Hallo Jungs,

Ich wollte Euch einfach mal aus meiner Sichtweise aus der Ferne ein paar Dinge erzählen, weil der Vergleich mit dem anderen das eigene oft in neuem Licht erscheinen lässt.

Ein guter Kumpel von mir aus Sierksdorf ist Arzt am Hospital Clinic. Dieses Krankenhaus ist eines der grössten in Barcelona und laut Newsweek im Jahr 2020 das beste Krankenhaus Spaniens und eines der besten 25 der Welt. Mein Kumpel hat sich von Anfang an für die Corona-Abteilung freiwillig gemeldet und hat mir auf der Höhe der ersten Welle z.B. folgendes berichtet:

Es gab keine Schutzanzüge mehr, es gab nicht genug Handschuhe, es gab nicht genug Beatmungsgeräte. Die Ärzte haben sich (nach überlangen Schichten) selbst ans Telefon gesetzt und Freunde, Bekannte, Bekannte von Bekannten und Firmen angerufen, um Hilfe zu finden. Mein Kumpel hat bei Dräger in Lübeck angerufen und gefragt, ob Beatmungsgeräte geliefert werden können. Dräger hat gesagt: "kein Problem, aber Sie müssen bis September warten". Mein Kumpel hat dann gefragt, ob Dräger die Pläne zur Verfügung stellen kann, damit die Geräte hier nachgebaut werden können, aber Dräger hat gesagt das ginge leider nicht. Er hat dann gefragt, ob Dräger ihm die Pläne ihres ganz alten Beatmungsgerätes aus den 70er-Jahren überlassen könne, denn dieses sei ja seit vielen Jahren vom Markt - aber auch hier war die Antwort: "das geht leider nicht".

Das Krankenhauspersonal hat dann zwei Leute gefunden, die quasi in ihrer Garage Beatmungsgeräte bauen. Diese beiden Männer sind dann mit ihrem selbstgebauten Gerät ins Krankenhaus, haben es vorgeführt und die Ärzte haben Verbesserungstips gegeben. Dann sind die Jungs zurück in ihre Werkstatt. Danach ist das Produkt an einem Schwein getestet worden und einige Tage später zum ersten mal an einem Patienten im Krankenhaus.

Schutzanzüge waren auch keine mehr da. Diese kauft das Krankenhaus in China. Der Preis eines Einweganzuges beträgt 1€. Es konnten aber keine Anzüge aus China mehr besorgt werden. Das Krankenhaus hat jedoch 10.000 Anzüge pro Tag verbraucht (zehntausend!). Das Krankenhauspersonal hat dann eine Schneideri in Badalona (in der Nähe von Barcelona gefunden), die einen Stoff hatte, der die gleichen Eigenschaften hat, aber dazu noch waschbar und somit wiederverwendbar ist (der Anzug kostet auch 1€) . Zum Zeitpunkt, als mein Kumpel mir das erzählt hat (ich glaube es was Ende April), hatte die Schneiderei gerade die Kapazität auf 1.000 Anzüge pro Tag hochgehievt und war fieberhaft weiter am steigern.

In der Folgezeit gab es viele weitere Todesfälle und Ansteckungen und da es viele Todesfälle gab und das Geld knapp ist, dachte sich die katalanischen Regierung, dass nun ein guter Moment wäre, die Erbschaftsteuer anzuheben, denn es sterben ja mehr Menschen, während die Regierung und Oposition in Madrid den ganzen Frühling und Herbst nur über unwichtige, nicht Corona betreffende Dinge gestritten haben. Es wurde auch nicht über Lösungen der wirtschaftlichen Probleme diskutiert.

Das Kurzarbeitgeld ist im Vergleich zu Deutschland sehr limitiert. Es wird für alleinstehende auf, wenn mich recht erinnere, 1.045 € gedeckelt. Wenn man ein Kind hat auf etwa 1.145 € und bei zwei oder mehr Kindern auf 1.260 €. D.h. wenn man z.B. als alleinerziehende Mutter mit einem Kind 2.000 € netto verdient, bekommt man 1.145 € (wenn die Firma nicht die Knete hat, die Differenz auszugleichen, was viele kleine Firmen nicht haben). Hunderttausende haben das das Geld monatelang aber gar nicht bekommen, weil die „Seguridad Social“/Sozialversicherung überhaupt nicht hinterhergekommen ist, da sie einerseits total überschwemmt ist und anderseits total schlecht arbeitet. Des weiteren sind den Firmen keine Steuern gestundet, sondern diese weiterhin knallhart eingezogen worden und es gibt auch keine Geldgeschenke für Firmen vom Staat.
Eine kleine Firma, die z.B. vier Mitarbeiter in die Kurzarbeit schickt, bekommt durchschnittlich ganz vergrobt ausgedrückt insgesamt in vielleicht 35.000 € Unterstützung vom Staat über sechs Monate hinweg (d.h. knapp 6.000 € im Monat - im Vergleich zu Deutschland sehr wenig). Kredite werden auch nicht zu 100% vom Staat abgesichert.

Die Zahl der Ansteckungen an der Schule meine Sohnes liegt seit Anfang September bei über 40 (auch der Direktor hatte es). Ein guter Kumpel von mir ist gerade aus dem Krankenhaus gekommen. Er war vorher der Meinung, die Lockdownmassnahmen übertrieben seien, aber nach kritischen Tagen und Todesangst im Krankenhaus (und dazu kommt seine Frau und zwei Kinder waren auch positiv – beide Kinder hatten Fieber - eines der beiden Kinder ist in der Klasse meines Sohnes) hat er seine Meinung geändert. Der Vater des Lebenspartners einer Kollegin von mir ist vor zwei Wochen an Corona gestorben, seine Schwester in kritischem Zustand.

Ein weiteres Problem in Spanien ist, dass die Bevölkerung einfach nicht ohne sozialen Kontakt und das Leben in der „Bar“ auskommen kann und alle so weitergemacht haben, als ob es keinen Virus gäbe. Vor dem ersten Lockdown waren alle – typisch für Spanien so ungefähr zu jedem Früstück und Mittagessen in der „Bar“/im Restaurant – jung und alt; bis der Lockdown nötig wurde. Nach dem Lockdown, haben die Leute (wo immer es ging) einfach damit weitergemacht. Die spanische Metalität ist das andere Extrem im Vergleich zu Deutschland -> die Leute in Spanien fühlen sich oft besser und cool, wenn sie die Regeln nicht beachten. Meine Nachbarn z.B. wohnen ganz eng neben uns. Ich vesteh mit gute mit ihnen und hab im Sommer oft am Zaun mit dem Vater von nebenan geschnackt. Eine Woche hab ich an drei Tagen hinteraneinder mit ihm am Zaun gesprochen, danach kam sein jüngster Sohn dazu, und meinte nach einer Minute zu mir: „ich nicht so lange sprechen, ich bin vor einer Woche positiv gestest worden“. Warum mir keiner vorher was gesagt hat ist, weil Regeln nicht ernstgenommen werden (nur wenn andere sie nicht einhalten sind sie wichtig). Auch sind unsere Nachbarn (obwohl sie unter Quarantäne standen) trotzdem aus dem Haus gegangen.
Die Regierung Andalusiens hat die hohen Ansteckungszahlen in der letzen Augustwoche unterdrückt, um die letzte Woche Ferienurlauber noch mitzunnehmen.

Die Regierung hat nach dem harten, langen Lockdown (der viel härter war als alle anderen in Nordeuropa) dann vor dem Sommer Lockerung diskutiert. Die vielerhoffte erste Lockerung war: Kinder dürfen jetzt das Haus verlassen! Aber nur, um einen Elternteil beim Einkaufen oder Gang zur Bank zu begleiten. Nach einem Aufschrei durch die Bevölkerung wurde dieser Beschluss dann modifiziert.

Deutschland ist im Vergleich zu Spanien eine vollkommen andere Liga. Es gibt viel mehr Wohlstand, viel mehr finanzielle Unterstützung für Bürger und Firmen. Die Leute bekommen ihr Kurzarbeitszeit-Geld oder irgendeine Stütze nicht Monate zu spät. Die Politik streitet sich nicht über irgendeinen Schwachsinn, sondern ist auf Corona und alles wichtige drumherum konzentriert und stetig bemüht, Leben zu schützen und eine Balance zwischen Leben, Wirtschaft und Freiheit zu finden und arbeitet kontinuierlich daran, Dinge zu optimieren. Ich schaue (nach 26 Jahren im Ausland, d.h. nach über der Hälfte meines Lebens) mit Staunen nach Deutschland, wie ethisch der deutsche Staat sich verwaltet und zwar auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Deutschland wird extrem gut verwaltet und das ist eine grosse Stärke des Landes, wovon auch der Rest Europas sehr profitiert.
Ich habe in diesem Thread auch teilweise Unzufriedenheit gelesen, aber ich finde als „quasi Ausländer“, dass Deutschland unglaublich viele Gutes leistet. Weil die Verwaltung auf allen Ebenen sehr gut arbeitet, der Staat viel Geld hat und die Bevölkerung grösstenteils mitmacht, ist das Land, Gott sei Dank, bisher sehr gut durch die Krise gekommen.

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Jupp
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Jupp » So 22. Nov 2020, 12:56

Danke für diese Zeilen. Viel hat sich geändert seit wir zuletzt bei dir in Barcelona waren, im Januar, gefühlt eine Ewigkeit. Lass uns hoffen, daß wir uns beide irgendwann unter normalen Bedingungen und gesund wieder treffen können. Die Holsteinfahne weht noch über der Stadt? :flag:
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altsg
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von altsg » So 22. Nov 2020, 13:19

@storch ( hoffe du bis nicht sauer über meine abkürzung)
ja- am besten in ner kneipe bei nem bier ;)
ja- wäre interessant, wenn man die gleichen leute jetzt nochmal befragen würde.

muss ich mir anschauen, deswegen schreiben ich dazu auch bisher nichts.

jetzt relativierst du wieder- ist doch egel ob ansteckend oder nicht. ich höre seit wochen/ monaten immer nur die absoluten zahl ohne verbindung zu anderen fakten/daten. für mich ist das staatliche panikmache mit system und das schlimmste > es wirkt. warum überdramitisieren wir dieses thema?

und noch schlimmer > ich sehe keine strategie dahinter, keine vision wie es weiter gehen soll, nur immer wochenberichte. es scheint ja derzeit unmöglich zu glauben, das man BL spiele , wacken, hurricane live erleben kann.unfassbar wie sich leute damit abfinden können, weil es eben so ist.

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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Ich » So 22. Nov 2020, 13:43

Jupp hat geschrieben:
So 22. Nov 2020, 12:56
Danke für diese Zeilen. Viel hat sich geändert seit wir zuletzt bei dir in Barcelona waren, im Januar, gefühlt eine Ewigkeit. Lass uns hoffen, daß wir uns beide irgendwann unter normalen Bedingungen und gesund wieder treffen können. Die Holsteinfahne weht noch über der Stadt? :flag:
Ich denke oft an Euren Besuch zurück (dass ein guter Kumpel nach Besuch eines Spieles einfach mal eben die ganze Strecke von Madrid rüberfährt, um Hallo zu sagen, ist echt nicht selbstverständlich) - ich danke Euch dafür! Ich hoffe ebenfalls auf ein Wiedersehen und die Holsteinflagge weht noch über der Stadt! Danke!

Ich
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Ich » So 22. Nov 2020, 14:15

altsg hat geschrieben:
So 22. Nov 2020, 13:19
@storch ( hoffe du bis nicht sauer über meine abkürzung)
ja- am besten in ner kneipe bei nem bier ;)
ja- wäre interessant, wenn man die gleichen leute jetzt nochmal befragen würde.

muss ich mir anschauen, deswegen schreiben ich dazu auch bisher nichts.

jetzt relativierst du wieder- ist doch egel ob ansteckend oder nicht. ich höre seit wochen/ monaten immer nur die absoluten zahl ohne verbindung zu anderen fakten/daten. für mich ist das staatliche panikmache mit system und das schlimmste > es wirkt. warum überdramitisieren wir dieses thema?

und noch schlimmer > ich sehe keine strategie dahinter, keine vision wie es weiter gehen soll, nur immer wochenberichte. es scheint ja derzeit unmöglich zu glauben, das man BL spiele , wacken, hurricane live erleben kann.unfassbar wie sich leute damit abfinden können, weil es eben so ist.
Wir können das Leben nicht zweimal leben und nicht mit Gewissheit messen, wissen oder beweisen, welche Strategie (mit oder ohne Lockdown), weniger menschliches Leiden verursacht hätte (ich persönlich glaube fest, dass - wenn in Spanien kein Lockdown gekommen wäre - die menschlichen und wirtschaftlichen Tragödien noch viel schlimmer gewesen wären).

Für mich ist - wie auch schon von Ruhrpottstorch und anderen mehrmals geschrieben - die Grundfrage einfach eine menschliche mit der wir in Situationen wie dieser konfrontiert sind:

Wenn jemand auf der Strasse liegt und stirbt -> gehst Du dann einfach vorbei oder versuchst Du, das Leben der Person zu retten?
Wenn jemand einer tödlichen Gefahr ausgesetzt ist -> versuchst Du dann, die Person vor der lebensgefährlichen Gefahr zu schützen oder nicht?

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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von FriesenKieler » So 22. Nov 2020, 15:01

Der Beitrag aus Spanien ist klasse, weil er eine theoretische, Diskussion ganz praktisch greifbar macht-danke fand ich toll!
Meine Güte, ich lese hier gerade fast nur spannende Beiträge und interessante Diskussionen-was ist aus diesem Thread geworden?! ;)

@altsg: ich rede jeden Tag mit Medizinern aus diesen Bereichen, mit denen ist mein privates Umfeld gespickt, die reden nämlich (leider ;) ) sehr gerne über Ihre Jobs. Du darfst mir also glauben, so abstrakt und theoretisch ist das Thema für mich nicht

Kurz noch zur Wehrpflicht: Wer sich mal mit dem inzwischen antiken Bericht der Weizsäcker-Kommission auseinandergesetzt hat/ auseinandersetzt, wird merken, dass das große Problem die nicht vorhandene Wehrgerechtigkeit war. Ein Problem, dass sich am Ende kaum mehr verbergen lies und auch verfassungsrechtliche Probleme mit sich brachte. Man hat lange an der Wehrpflicht festgehalten, um den Zivildienst zu bewahren-der hatte im eigentlichen Sinne nämlich einen Mehrwert für die Gesellschaft

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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Ruhrpottstorch » So 22. Nov 2020, 17:59

@ich: Danke für den eindrücklich persönlichen Bericht aus Barcelona.

@altsg: Passt schon mit der Anrede, keine sorge ;)
altsg hat geschrieben:
So 22. Nov 2020, 13:19
.muss ich mir anschauen, deswegen schreiben ich dazu auch bisher nichts.
Mach das mal, sind nur ein paar Minuten, interessiert mich wirklich.
altsg hat geschrieben:
So 22. Nov 2020, 13:19
jetzt relativierst du wieder- ist doch egel ob ansteckend oder nicht. ich höre seit wochen/ monaten immer nur die absoluten zahl ohne verbindung zu anderen fakten/daten. für mich ist das staatliche panikmache mit system und das schlimmste > es wirkt. warum überdramitisieren wir dieses thema?
Nein, tut mir Leid, aber eine Relativierung ist das nicht. Das ist ein entscheidender Unterschied. Haben wir ja die letzten Tage ausführlich besprochen.
Die Kritik mit den absoluten Zahlen kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Die relevanten Zahlen die auch in allen Medien immer wieder verbreitet werden sind die Neuinfektionen pro Tag, Die Todeszahlen pro Tag und die 7 Tage Neuinzidenz (pro Woche pro 100.000 Einwohner) Das sind alles relative Werte.
Die Summe wird zwar auch immer wieder genannt, aber wirklich: jeder Schüler ab der 5 Klasse versteht, dass die Summe nichts aussagt Wer damit Panik machen will verfehlt auf jeden Fall das Ziel.

altsg hat geschrieben:
So 22. Nov 2020, 13:19
und noch schlimmer > ich sehe keine strategie dahinter, keine vision wie es weiter gehen soll, nur immer wochenberichte. es scheint ja derzeit unmöglich zu glauben, das man BL spiele , wacken, hurricane live erleben kann.unfassbar wie sich leute damit abfinden können, weil es eben so ist.
Über die Strategie hatte ich vor ein paar Tagen schon ausführlich geschrieben.
Die Strategie ist die Opferzahlen so gering wie möglich zu halten, bis es eine wirksame medizinische Lösung gibt. Also eine Impfung oder wirksame Medikamente zur Behandlung.

2 unterschiedliche Impfstoffe sind letzte Woche zur Zulassung eingereicht werden. Sie sollen noch dieses Jahr zum Einsatz kommen und ab Mitte nächsten Jahres könnten sie in der Fläche zur Verfügung stehen.
Der Antikörper Cocktail mit dem Donald Trump behandelt wurde, wurde gestern auch zur Zulassung eingereicht. Wie wirksam der wirklich ist und wann er für jeden bedürftigen verfügbar sein kann weiss ich nicht.

Der realistische Zeithorizont für ein Ende der Pandemie ist Mitte 2021. Je nachdem wie offene Probleme (Tatsächlicher Impfschutz, Imofbereitschaft, Herstellung und Verteilung etc.) gelöst werden können, vielleicht etwas schneller oder etwas länger.
Ist das verständlicher?
Insofern dieser Beitrag nicht durch MOD MODE ON gekennzeichnet ist, enthält er lediglich die Meinung eines gewöhnlichen Holstein Fans

remember21.5.99
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von remember21.5.99 » Mi 25. Nov 2020, 22:51

Mal ne Frage in die Runde an die KN-Leser unter uns:
Haben die KN eigentlich die letzten Tagen über den Corona-Hotspot Kiel mal berichtet oder wird das unter den Tisch gekehrt?

https://www.uni-kiel.de/infmed/ifsg/dat ... 1.2020.pdf

Zuletzt 32 bzw. 38 gemeldete Neuinfektionen. :o

Ich hatte die hohen Zahlen ja vor einer Woche bemerkt und nun hat es sich leider verfestigt:

Der Inzidenzwert für Kiel liegt aktuell bei 75
und in ganz Schleswig-Holstein unter allen 15 kreisfreien Städten
und Kreisen damit am zweithöchsten!

Ich fürchte, wenn es in den Medien unisono totgeschwiegen wird(?), dass es leider die deutliche
Mehrheit der Kieler Bevölkerung nicht mitbekommt und es damit auch an Vorsicht mangelt.

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Beneto
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Beneto » Do 26. Nov 2020, 11:25

remember21.5.99 hat geschrieben:
Mi 25. Nov 2020, 22:51
Haben die KN eigentlich die letzten Tagen über den Corona-Hotspot Kiel mal berichtet oder wird das unter den Tisch gekehrt?
Einwohner in Kiel (Stand 2016): 246.306

Der Stand in Kiel am 26. November - 9 Uhr (Quelle: kiel.de):
Gesamtzahl aller Fälle: 1.171
Davon wieder genesen: 924 Personen.
234 Personen sind aktuell infiziert.
Im Vergleich zum Vortag gibt es 32 Neuinfektionen.
Verstorben sind 16 Kieler*innen.
Derzeit sind 16 Personen stationär in Behandlung.

Die 32 neuen positiv getesteten Personen sind keineswegs zum Tode verurteilt, wie man an den Zahlen oben sehen kann. Seit Bekanntwerden der neuen Virus-Variante wird der Tod von 16 Menschen in Kiel damit in Zusammenhang gebracht.

Ich bin kein Fan der KN, aber ich denke nicht, dass sie hier etwas unter den Tisch kehren.

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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Jupp » Do 26. Nov 2020, 11:50

Habe gerade mit Kundschaft aus Holland telefoniert. Er und seine Frau hatten im Mai Corona, mittlerer Verlauf, positive Tests bei beiden. Nach 14 Tagen genesen.
Gestern beide wieder krank. Wieder positive Tests, Symptome wie bei einer Grippe, aber beide zu Haus.
Muss man sich Sorgen machen, daß eine Impfung gar nichts bringt? Bekommen diejenigen nun Recht, die gesagt haben, wir müssen noch auf Jahre mit dem Virus leben? Hab ich echt keinen Bock mehr drauf...
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Beneto » Do 26. Nov 2020, 16:08

Naja, Jupp, sie wurden ja nicht geimpft. Das ist wohl auch nicht so wie bei Windpocken, Röteln oder ähnlichen Krankheiten, die man nur 1 mal durchmacht und dann für immer immun ist. Eine normale Grippe kann man auch mehrfach bekommen und der Impfstoff ist jedes Jahr ein anderer, weil die Grippeviren sich auch verändern und auch unterschiedlich gefährlich sind.

Eine Impfung bereitet das Immunsystem jedenfalls besser vor, als eine bereits durchgemacht Infektion. Quelle

Es kann gut sein, dass Sars-Cov-2 endemisch wird und jedes Jahr wiederkommt.

PavelDobry
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von PavelDobry » Do 26. Nov 2020, 17:21

Man möge mich korrigieren, aber meines Wissens ist auch nach Impfung eine Infektion möglich. Somit auch ein erneuter positiver Test. Es wird dadurch nur der Verlauf beeinflusst, eben zu ~95%. Ob es durch Impfstoffe auch in Teilen zu einer Immunität kommt, ist wahrscheinlich, allerdings sind mir hier keine Zahlen bekannt. Wie lang man nach einer Infektion immun ist, ist von der Schwere des Verlaufs abhängig. Jupps Kunden waren höchstwahrscheinlich weniger stark betroffen, daher die relativ schnelle erneute Ansteckung.

Egon Olsen
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Egon Olsen » Do 26. Nov 2020, 18:23

@ remember 21.5.99 (Nr. 1058):

Großstädte sind in der Regel aber auch "anfälliger" gegen höhere Inzidenzen, da dichter besiedelt als Landkreise.
Die Schaubilder bei ndr-online zeigen für SH und MV seit Beginn November ein stabiles Niveau bei etwa 50/7/100k, bei den anderen Norddeutschen sind die Kurven erheblich (HB, HH) oder zumindest deutlich (NDS) rückläufig. Silberstreif am Horizont?
Das heißt Kiel liegt gar nicht so exorbitant über dem Landesdurchschnitt, zumal eben Großstadt.

Claus mit C.
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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von Claus mit C. » Do 26. Nov 2020, 19:49

Auch wenn es momentan null Erkenntnisse gibt, wie es selbst nach einer Impfung weitergeht, sollte der ja mit Sicherheit sorgfältig entwickelte Impfstoff schon zu positiven Ergebnissen führen. Von daher sollte die "Panik" nun endlich wieder zurück gefahren und ein "normales" Leben allmählich, möglichst natürlich umgehend, wieder hoch gefahren werden...

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Re: Coronavirus — 2020/21

Beitrag von remember21.5.99 » Do 26. Nov 2020, 21:17

Tatsächlich geht es in den heutigen KN als Hauptartikel des Kieler Lokalsteils ausführlich um den aktuellen Anstieg in Kiel.
Darin leider auch zu lesen, dass es keine klaren Gründe und keine eingrenzbaren Hotspots gibt.

Und leider sehe ich gerade auch bei den heutigen Zahlen mit 39 Neuinfektionen einen neuen Spitzenwert für Kiel.

Die Inzidenz liegt nun bei 79.


Gerne hätte ich auch umsonst "Alarm geschlagen" und hoffe natürlich auch, dass es wieder besser wird, @Egon Olsen.
Mir geht es weniger auch um nationale Vergleiche als um einen Trend, der sich abzeichnete und im Inzidenzwert erstmal
-nach nur 2 bzw. 4 Tagen- natürlich noch nicht so auffällig war - anfangs.
Leider geht es aktuell leider - noch- in die falsche Richtung...

Ich selbst bin von Panik immer weit entfernt, aber hoffe, dass die Kieler nun wachsamer werden und das dann bald hilft.

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